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Weinreporter
Administrator
    
Deutschland
7008 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 18:35:11 Uhr
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Hallo Forum, irgendwie finde ich das seltsam. Da steht seit Montag die These „Deutschland wird zum Rotwein-Land“ im Raum und niemand verliert hier ein Wort darüber. Sollte diese Aussage tatsächlich bereits konsensfähig sein? Ich hatte mit mehr Widerspruch gerechnet. Viele Fakten sprechen zwar dafür, aber es entspricht natürlich nicht der allgemeinen Stimmungslage (Riesling-Euphorie) und auch nicht der offiziellen Kommunikations-Strategie von DWI, VDP und Weinbauverband. Viele Tageszeitungen von Bild bis Abendblatt, Mittelbayerische Zeitung und Westfalenpost, die einschlägigen Onlinedienste und einige Fachmagazine fanden es immerhin berichtenswert.
Ausgangspunkt dieser Meldung war ein Symposium im Rahmen der Margreider Weingespräche, die das Bozener Ökoinstitut mit dem Weingut Alois Lageder veranstaltet hat. Ich hatte dort Gelegenheit neben führenden Klimaforschern und anderen Experten zu sprechen. Mein Vortrag zum Thema "Wein in einer sich wandelnden Welt" habe ich bei best-of-wine.com online gestellt: http://www.3dac.net/best-of-wine/Editorials/Editorial3.htm
Eine kurze Zusammenfassung dessen, was dort besprochen wurde, gibts bei Weinreporter aktuell: http://www.3dac.net/best-of-wine/weinreporter.htm?id=607 Gruss Mario Scheuermann |
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mcenbo
Senior Member
   
Deutschland
1208 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 18:43:11 Uhr
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Ich hätte nichts dagegen   schöne Spätburgundern -Dornfelder usw...
Grüße Ender |
vorsicht keine Profi !! Beim Weisswein denkt man an Dummheiten. Beim Rotwein spricht man Dummheiten. Beim Sekt macht man Dummheiten. Henri Vidal |
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mvwein
Advanced Member
  
Deutschland
945 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 19:07:03 Uhr
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Ich habe schon lange vermutet, das der trend dort hingehen wird. Also warte ich und geniesse. Ausserdem nach dem Klimabeitrag von Ihnen und Ihren Kollegen wirds sicherlich bald auch einen Trollinger geben der mir schmecken wird.
Ausserdem kann man nur Widerspruch einbringen, wenn man ein Verfechter ist. Ich bin und war nie ein Rieslingfan und denke da sollten sich die wahren Fans mal zu äußern. Statistisch gesehen, war wenn ich die letzten Jahre die Statisken richtig verfolgt habe, abzusehen das Rotwein an Boden gewinnt.
Meiner Meinung aber auch ein Resultat der vielen Neuzüchtungen im Rotweinbereich. Gabs eigentlich wesentliche neue im Weissweinbereich????
Und wenn der Winzer schon seinen Weinberg neu bestückt, muß er auch in die Zukunft schauen. Und da entscheiden sich immer mehr für Rotwein. Warum eigentlich? Einfacher zu handhaben? Marketingtechnisch gut überlegt?
Ich glaube es liegt an verschiedenen Sachverhalten. Konsumenten, Klima,u.s.w.. Ich kann nur von den Endverbrauchern ausgehen die zu meinen Kursen kommen. Dort wird eher Rotwein verkostet und getrunken, weil die Primäraromen meist eindeutiger sind. |
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hordeum-vinifera
Senior Member
   
Deutschland
2695 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 19:23:53 Uhr
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Hallo Herr Scheuermann,
die These ist nicht sonderlich provoktiv, da sie den Vorgaben des Klimawandels folgt. Irgenwann wird der Riesling ins Sauerland, den Harz oder gar nach Südschweden, Schottland oder in die Masuren wandern müssen, während im Markgäflerland und in der Pfalz feinste Cabernet und an der Mosel große Pinots reifen werden. Das Bordelais hingegen wird irgendwann Geschichte sein. Glücklicherweise bin ich zu alt, um das noch erleben zu müssen.
Grüße
Hartmut |
Bearbeitet von: hordeum-vinifera am: 02.11.2005 19:25:27 Uhr |
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Bernd Schulz
Senior Member
   
Deutschland
2833 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 19:30:43 Uhr
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Hallo,
ich kann mit Zukunftsprognosen alá "Deutschland wird zum Rotweinland" nicht viel anfangen. Wenn es so kommen sollte - was ich auf absehbare Zeit nicht glaube, denn Steppenjahrgänge wie 2003 (wie sich langsam immer mehr heraustellt, auch für den Spätburgunder nicht optimal!) dürften trotz Klimaverschiebung die Ausnahme bleiben - dann wird man das eh nicht ändern können. Aber bislang sehe ich überhaupt keine klimatischen Dauergefahren für die deutschen Rieslingproduzenten. Im Gegenteil, eine maßvoller (!) Anstieg der Durchschnittstemperaturen dürfte eher zu noch besseren Qualitäten führen.
"Deutschland wird zum Rotweinland" erinnert mich verdächtig an Schlagzeilen wie "Sterben die Deutschen aus?" (das war vor vielen Jahren mal ein Spiegel-Titel...).
Viele Grüße
Bernd
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Bearbeitet von: Bernd Schulz am: 02.11.2005 19:41:04 Uhr |
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Bargatzky
Advanced Member
  
Deutschland
453 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 19:51:46 Uhr
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Hallo zusammen, ich denke, der Klimawandel wird auch den Reben langfristig einiges abverlangen. Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass sich zum Beispiel der Riesling auch veränderten klimatischen Bedingungen anpassen wird. Schließlich handelt es sich um einen eher schleichenden Prozess beim Klimawandel. Was das für die Qualität im Glas bedeutet, kann ich allerdings nicht einschätzen. Aber Deutschland wird sicherlich noch eine ganze Weile lang vor allem für seine weißen Kreszenzen berühmt bleiben. Hoffe ich.
@Hartmut Ob Du mit 49 Jahren bereits zu alt bist, wage ich zu bezweifeln. Die Lebenserwartung steigt stetig. Ich bin 35 und habe neulich gelesen, dass meine Lebenserwartung bei ca. 95 Jahren liegen wird. Und die klimatischen Veränderungen scheinen ja rasant zu verlaufen. Vielleicht erleben wir ja noch das Auswandern Bordelaiser Winzer Richtung Baden, Pfalz und co. WEr weiß das schon so genau?
Viele Grüße Ingo |
Jeder Rechtschreibfehler ist beabsichtigt. In der richtigen Reihenfolge ergeben sie die magische Formel zu Verwandlung von Wasser in Wein.
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Ab jetzt auch unter http://www.weinschreiber.de erreichbar! |
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UlliB
Advanced Member
  
Deutschland
538 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 19:57:46 Uhr
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Hallo zusammen,
wie wäre es hierzu mit ein paar Zahlen?
Prozentuales Verhältnis der Anbaufläche weiße Rebsorten : rote Rebsorten in Deutschland (Quelle: Deutsches Weininstitut):
1980: 88,6 : 11,4 1985: 86,8 : 13,1 1990: 83,6 : 16,2 1995: 80,9 : 19,1 2000: 74,0 : 26,0 2004: 64,0 : 36,0
Hier liegt demnach ein seit langem laufender und sich dabei deutlich beschleunigender "Megatrend" vor. Wenn man ein bisschen extrapoliert, kann man sich in etwa ausrechnen, wann in Deutschland die letzte Weißweinrebe ausgerissen wird (wozu es wohl tatsächlich nicht kommen wird, es wird wohl immer noch einige unbelehrbare Weißweintrinker geben - nicht wahr, Bernd?) .
Ganz neu ist das alles aber nicht, und insofern wohl auch nur wenig provozierend. Eine Nachricht im eigentlichen Sinne ist das für mich jedenfalls nicht. Ähnliche Trends gibt es in gant Europa seit geraumer Zeit; vor gut 50 Jahren war z.B. die Anbaufläche für Weißwein in Bordeaux größer als die für Rotwein; daran mag sich nur keiner mehr erinnern.
Inwieweit für diese Umstellung qualitative Aspekte oder klimatische Zwänge eine Rolle spielen, ist eine ganz andere Frage. Zumindest im Hinblick auf die qualitativen Aspekte darf man bei der Durchnittsqualität der in Deutschland momentan hergestellten "Rotweine" aus Dornfelder, Trollinger & Co. wohl einige Zweifel anmelden - wobei viele dieser Weine ja gar nicht nach Rotwein schmecken, sondern lediglich nach rot eingefärbten Weißweinen (siehe die Diskussion in einem Parallelthread). Und die Klimaumstellung ließe es ja zumindest theoretisch zu, wärmresistentere weiße Rebsorten in Deutschland anzubauen. Viognier gibt's in der Pfalz ja schon; wenns noch wärmer wird, könnte man es ja mal mit Palomino oder PX probieren...
Gruß Ulli |
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Weinreporter
Administrator
    
Deutschland
7008 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 20:00:56 Uhr
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Hallo Hartmut, da Sie um einiges jünger sind als ich, werden Sie das durchaus noch erleben können. Der Zeithorizont über den wir reden, liegt ungefähr bei heute plus 30/35 Jahren. Dann sind sie um die 80. Ein durchaus rüstiges Alter. Und "alte Knaben" tun sich doch besonders gern an Rotwein laben, oder?  Gruss Mario Scheuermann |
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insoumise
Senior Member
   
Deutschland
1095 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 20:04:07 Uhr
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Zitat: Original erstellt von: Bernd Schulz
... Aber bislang sehe ich überhaupt keine klimatischen Dauergefahren für die deutschen Rieslingproduzenten. Im Gegenteil, eine maßvoller (!) Anstieg der Durchschnittstemperaturen dürfte eher zu noch besseren Qualitäten führen.
"Deutschland wird zum Rotweinland" erinnert mich verdächtig an Schlagzeilen wie "Sterben die Deutschen aus?" (das war vor vielen Jahren mal ein Spiegel-Titel...).
Viele Grüße
Bernd
... Neben der Mutation gibt es halt auch die Modifikation ... und, in der Erdgeschichte ging noch nie irgend etwas schlagartig (bis auf irgendein Meteoriteneinschlag, der den Säugetieren eine Chance zur Entwicklung gegenüber den Reptilien gab ... ) Wo von wir ja heute noch profitieren.
Gruß Kerstin |
Il faut s'efforcer d'être jeune comme un beaujolais et de vieillir comme un bourgogne. (d'après R.Sabatier) |
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Weinreporter
Administrator
    
Deutschland
7008 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 20:04:48 Uhr
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Zitat: Original erstellt von: Bargatzky
Aber Deutschland wird sicherlich noch eine ganze Weile lang vor allem für seine weißen Kreszenzen berühmt bleiben.
Hallo Herr Bargatzky, ganz sicher sogar. Aber die werden jenseits von 2050 z.B. nicht mehr aus dem Rheingau kommen soweit es sich um Rieslinge handelt. Aus Rheinhessen und Baden schon garnicht. Sie werden weiter nördlich wachsen. Gruss Mario Scheuermann |
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Weinreporter
Administrator
    
Deutschland
7008 Beiträge |
Erstellt am: 02.11.2005 : 20:08:48 Uhr
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Zitat: Original erstellt von: insoumise [br und, in der Erdgeschichte ging noch nie irgend etwas schlagartig
Hallo Kerstin, schlagartig geht auch dieser Klimawandel nicht. Aber er verläuft inzwischen so schnell, dass die Wissenschaftloicer einigermassen verblüfft sind. Alle Daten die man auf Grund von damaligen Berechnung in den 1990er Jahren für 2030/35 vorausgesagt hat, sind heute bereits eingetroffen. Nach den neuestens, noch nicht veröffentlichten Zahlen steigt der Meeresspiegel nicht mit einer Geschwindigkeit von 1,5 mm pro Jahr sondern mit 3 mm pro Jahr. Gruss Mario Scheuermann |
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