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Einzelflaschenfreund
Advanced Member
  
Deutschland
273 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 21:10:00 Uhr
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Kle, nochmals vielen Dank für die spannende Verkostung und die vorbildliche Gastgeberschaft. Hier meine Eindrücke zu den einzelnen Weinen (die jeweils in kleinen Flights zunächst blind verkostet und dann vor dem nächsten Flight aufgedeckt wurden):
- Domäne Wachau „Grüner Veltliner“ Qualitätswein trocken 2007, Literflasche: leicht, würzig, harmonisch. Guter (unter Berücksichtigung des Preises sogar überragender) Tischwein (84 Pkte.)
- Weingut Schneeweis (Spitz) Neuburger Smaragd trocken Gasselreith 2007: Der Nase nach vermute ich einen Riesling. Im Mund zunächst Bitternoten, die nach und nach verschwinden. Gute Säure, leicht adstringierend. Schöne Mineralik und Saftigkeit. Recht lang (87/88 Pkte.)
- Weingut Schneeweis Riesling Smaragd trocken Gasselreith 2007: Eher dezente Nase. Im Mund harmonisch und fein. Auch hier vermute ich eine sehr gute Eignung als Speisenbegleiter (85/86 Pkte.) - Weingut Schmelz (Joching) GV Federspiel trocken LOIBNER-GÄRTEN 2007: In der Nase mineralisch-würzig, etwas Birne. Auch im Mund eine gute Mineralik und ordentlich Säure; allerdings nicht sehr lang. (84 Pkte.) - Weingut Schmelz Sauvignon Blanc Federspiel trocken Donaufeld 2007: In der Nase etwas nasser Lappen. Beißende Mineralik am Gaumen, recht karg und streng. Erstaunlich - so "unparfümiert" wirkende SB treffe ich selten an (84 Pkte.)
- Pirat: Dr. Crusius, Riesling Großes Gewächs trocken Felsensteyer 2007 (Nahe): Kräftige Nase. Im Mund sofort spürbar mehr Restzucker als die Vorgänger, reichlich Extrakt. Brennt ein ziemliches Feuerwerk ab, um dann doch eher kurz zu enden (86+ Pkte.)
- S.Dona (Spitz) Grüner Veltliner Smaragd trocken Zornberg 2007 Sehr blass und ein bisschen trüb (könnte vom lt. Kle beim Öffnen auseinandergebröselten Korken sein). Ein sehr gerade, kompromissloser (und kompromisslos trockener) Vertreter, der sich quasi nackt und ungeschützt zeigte. Auf diese Art sehr ehrlich und überzeugend (90 Pkte.).
- Emmerich Knoll Grüner Veltliner Smaragd trocken "Vinothekfüllung" 2007: Tabak in der Nase. Recht hefig, auch im Mund. Beißt zudem ziemlich. Hat Länge, aber derzeit keine Harmonie, wirkt deutlich zu jung (87+ Pkte.)
- Graben-Gritsch (Spitzer Graben) Grüner Veltliner Federspiel trocken Von der Schön 2006: Schöne Nase. Saftig, aber auch schon recht reif wirkend. Meiner spontanen Assoziation, dieser Wein habe ein schwaches Bindegewebe, können durchaus andere Probenteilnehmer folgen (84 Pkte.).
- Graben Gritsch, Grüner Veltliner, Smaragd 2006 trocken Von der Schön: Tolle Nase, die Mineralik springt einen an. Im Mund etwas Restzucker spürbar, auch eine gewisse Schärfe. Wirkt jedoch wesentlich mehrdimensionaler als der Vorgänger. Gute Länge, und die Schärfe wandelt sich zusehends in eine Art Schmelz. Bleibt als Kritkikpunkt lediglich der doch spürbare Alkohol (90 Pkte.)
- F.X. Pichler (Loiben) Riesling Smaragd trocken “Hollerin” 2006: Insgesamt erstaunlich ähnlich zum Vorgänger; allerdings hefegeprägter. Dazu deutliche Bitternoten. Wirkt überextrahiert (85 Pkte.)
- F.X. Pichler Grüner Veltliner Smaragd trocken Von den Terrassen 2006: Schön pikante Nase. Im Mund frisch und animierend (87 Pkte.)
- Emmerich Knoll (Unterloiben) Grüner Veltliner Smaragd trocken "Vinothekfüllung" 2006: Beißende Mineralik. Ein sicherlich technisch sehr gut gemachter Wein, aber eben auch GEMACHT wirkend. Ich finde den anstrengend; Trinkfreude kommt da nicht auf (und 14,5% Alk. hat er außerdem) (85/86+ Pkte.)
- Emmerich Knoll Riesling Smaragd trocken "Vinothekfüllung" 2006: In der Nase noch eher dezent, aber schon die Richtung andeutend, die er im Mund entfaltet: Noblesse, Mineralität, Eleganz. Auf den Punkt und perfekt austariert in Mineralik, Säure, aromatischer Tiefe - und selbst die 14% Alk. verpackt er spielend. Toller Wein (93+ Pkte.; und auch 95 Punkte lassen mich hier nicht den Kopf schütteln)
- Emmerich Knoll, Loibner Riesling, Auslese süß 2004: Leider KORK (in der Nase brutal, im Mund nicht ganz so heftig, aber für mich nicht zu leugnen)
Fazit: Erstaunlich gute Basisweine. Durchgehend saubere Qualität. Und irgendwie mehr geradeheraus als Vieles, was aus Deutschland an trockenen oder fast trockenen Rieslingen kommte. Einige evtl. überambitionierte Preistigeweine aus renommiertem Hause - aber auch ein überragender Vinotheken-Riesling von Knoll. Ein paar Gedanken speziell zu diesem Wein und seiner Rolle an diesem denkwürdigen Abend gibt's auch hier: http://augenohrennase.wordpress.com/2009/03/08/groses-weiswein-kino-made-in-austria/
Gruß, Guido |
Bearbeitet von: Einzelflaschenfreund am: 08.03.2009 22:23:13 Uhr |
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pivu
Senior Member
   
Österreich
3280 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 21:19:07 Uhr
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Zitat: Original erstellt von: Kle
Graben-Gritsch Riesling Smaragd trocken Setzberg 2006
Seid ihr da sicher? Ich meine, '06 gab es keinen Smaragd, sondern nur einen(lieblichen - ca. 13g RZ) 'Urgestein' vom Setzberg. Den hab' ich nämlich grad im Glas .
Ciao Peter |
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Kle
Senior Member
   
Deutschland
1419 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 21:36:26 Uhr
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Hallo Peter,
danke! Der Smaragd stammte in der Tat auch "Von der Schön".
Gruß, Kle |
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pivu
Senior Member
   
Österreich
3280 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 21:41:43 Uhr
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Sorry, nochmal:Zitat: Original erstellt von: Kle
danke! Der Smaragd stammte in der Tat auch "Von der Schön".
war's nicht vielleicht 'von der Bruck' - davon gab's nämlich '06 einen Smaragd-Riesling? (Auf der 'Schön' steht Veltliner.)
Ciao Peter |
Bearbeitet von: pivu am: 08.03.2009 21:42:17 Uhr |
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Kle
Senior Member
   
Deutschland
1419 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 21:45:52 Uhr
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| in der Zeile steckt der Wurm, jetzt ganz korrekt: Graben Gritsch, Grüner Veltliner, Smaragd 2006 trocken Von der Schön |
Bearbeitet von: Kle am: 08.03.2009 21:48:12 Uhr |
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drmamue
Advanced Member
  
Deutschland
305 Beiträge |
Erstellt am: 08.03.2009 : 23:09:49 Uhr
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Hallo zusammen,
auch von mir zuerst vielen Dank an Vera und Kle für die Gastfreundschaft und die tolle Verkostung. Meine Notizen reichen nur bis zu Graben-Gritsch, weil die Bahn ausgerechnet gestern die späten Züge in die Heimat streichen musste - warum auch immer, von mir gibts dafür jedenfalls ein herzliches und ehrlich gemeintes GRRRRR! - und ich so bereits um 10 zum Zug entschwand. Bis dahin war es aber für einen Wachau-Laien wie mich ein Einstieg nach Maß und lehrreich dazu, gerade auch durch den Kontrast mit dem Piraten (nochmals danke an Michael).
Meine Notizen bis dahin:
Domäne Wachau „Grüner Veltliner“ Qualitätswein trocken 2007, Literflasche: in der Nase Birne, Steinobst, leichtes Pfefferl, am Gaumen frisch, ordentlich strukturiert, etwas bitter im Abgang, hoher Trinkfluss - sehr gut, 84/100
Weingut Schneeweis (Spitz) Neuburger Smaragd trocken Gasselreith 2007: von mir für einen Riesling gehalten, in der Nase schriefrig-würzig, etwas Grapefruit, am Gaumen saftig, viel Biss, mineralisch mit guter Länge und schöner Säure, v.a. angesichts des PLV ein echter Knaller - ausgezeichnet, 91/100
Weingut Schneeweis Riesling Smaragd trocken Gasselreith 2007: in der Nase etwas dezenter, im kleineren Glas dann Steinobstnoten, am Gaumen säurebetont, leicht, fein, nicht ganz so mitreissend wie sein Vorgänger - ausgezeichnet, 88/100
Weingut Schmelz (Joching) GV Federspiel trocken LOIBNER-GÄRTEN 2007: in der Nase Birnen, Kräuter und Mineralnoten, am Gaumen voller, aber recht kurz - sehr gut, 85/100
Weingut Schmelz Sauvignon Blanc Federspiel trocken Donaufeld 2007: am Gaumen wieder Birne, etwas Cassis und Lack, am Gaumen etwas streng wirkend, florale Noten, wieder etwas Lack - sehr gut, 86/100
Pirat: Dr. Crusius, Riesling Großes Gewächs trocken Felsensteyer 2007: in der intensiven Nase Gelbfrucht, Orange, etwas Kräuter, am Gaumen frische Säure, tolle Fruchtaromen, Zitrus, nicht übermäßig lang, aber sehr lecker - ausgezeichnet, 90/100
S.Dona (Spitz) Grüner Veltliner Smaragd trocken Zornberg 2007: die Nase staubig, pfeffrig, floral (und sehr attraktiv), am Gaumen Grapefruit, grüner Pfeffer, sehr gute Struktur, druckvoll, saftig, im Abgang etwas salzig, einer meiner Favoriten - ausgezeichnet, 91/100
Emmerich Knoll Grüner Veltliner Smaragd trocken "Vinothekfüllung" 2007: herbe Frucht und Tabak in der Nase, am Gaumen rauh und hefig (für mich trotzdem auch jetzt schon sehr animierend), Apfelfrucht, etwas bitter, mit steifer Säure, jugendlich, aber mit Potential - ausgezeichnet, 89/100
Graben-Gritsch (Spitzer Graben) Grüner Veltliner Federspiel trocken Von der Schön 2006: in der Nase schiefrig, alter Apfel, dahinter aber schöne Frucht, am Gaumen reife Fruchtnoten, sollte man jetzt trinken - sehr gut, 86/100
Graben-Gritsch Grüner Veltliner Smaragd trocken Von der Schön 2006: Mineralik plus schöne und vielschichtige Fruchtaromen - sehr attraktive Nase, am Gaumen voll, stoffig, aber leider spürbar alkoholisch - sehr gut, 87/100
Vom nächsten Wein (Pichler, Hollerin) konnte ich nur noch kurz probieren, mein Eindruck deckt sich da aber durchaus mit Guido.
Fazit: toller Abend, leider im Abgang etwas verfrüht.
Grüße Markus |
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pasta
Senior Member
   
Deutschland
2623 Beiträge |
Erstellt am: 09.03.2009 : 10:46:20 Uhr
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Moin Guido & alle!
Objektivitätsfalle Punkte! Ich habe es mal exemplarisch bei dir nachgerechnet. Durchschnittspunkte Wachau: 86,6 Kühn 2005: 84,7. Macht 1,9 Punkte unterschied – klingt nicht viel. In der subjektiven Wahrnehmung aber liegen, nach deinen Beschreibungen, offenbar Welten zwischen den Weinen. Ich persönlich glaube da mehr deinen Beschreibungen.
Beste Grüße Pasta
… der sich immer noch tierisch ärgert, dass er nicht dabei sein konnte ….
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Einzelflaschenfreund
Advanced Member
  
Deutschland
273 Beiträge |
Erstellt am: 09.03.2009 : 11:13:24 Uhr
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Moin Pasta,
danke für die Berechnung! So etwas Ähnliches ging mir gestern auch durch den Kopf, als ich die Wachau-Eindrücke aufnotiert habe. "Moment mal - viel höher als neulich bei der Kühn-Probe sind die Punkte ja auch nicht." (Und wie deine Berechnung zeigt, trog meine Vermutung nicht.) Der Genussfaktor lag aber erheblich darüber. Ich habe es neulich im Kühn-Thread bereits geschrieben: Die "gefühlte Punktzahl" lag durchaus noch unter den tatsächlich vergebenen. Umgekehrt haben mir die Wachau-Weine deutlich besser gefallen, als es die Punkte ausdrücken:
Ein paar Erläuterungen dazu
- Bei Kühn war es die Kluft zwischen reinem Gefallen und dem Versuch, denen Weinen gegenüber fair zu bleiben (von "Objektivität" mag ich nicht sprechen) - Eine umfangreiche Probe verleitet dazu, am Anfang eher defensiv zu punkten (Luft nach oben); erst recht, wenn man mit einem sehr einfachen Wein startet. Rückblickend könnte beim Neuburger von Schneeweis genau so eine 90 stehen wie die vergebene 87/88. - Was noch hinzukommt: Die Wachauer zeigten sich auf der Höhe ihrer Kraft, einige auch noch mit sehr gutem Potenzial; bei Kühn erschien es genau umgekehrt. Man könnte sagen, dass die Weine sich in entgegengesetzt laufenden Fahrstühlen in relativer Nähe begegneten.
Aber du hast vollkommen Recht: Punkte sind trügerisch.
Gruß, Guido |
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pasta
Senior Member
   
Deutschland
2623 Beiträge |
Erstellt am: 09.03.2009 : 11:43:22 Uhr
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Zitat: Bei Kühn war es die Kluft zwischen reinem Gefallen und dem Versuch, denen Weinen gegenüber fair zu bleiben
Genau an dieser Stelle kann man die alte Diskussion über Blindproben oder nicht Blindproben führen. Ich bin überzeugt, hätten wir bei der Kühnprobe die Weine durcheinander (also nicht der „Rangfolge“ entsprechend) und blind probiert, wären die Punkte bei vielen (allen?) niedriger (deutlich niedriger?) ausgefallen. Wenn man weiß, was man trinkt, fängt das „Verstehen“ an.
Beste Grüße Pasta
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drmamue
Advanced Member
  
Deutschland
305 Beiträge |
Erstellt am: 09.03.2009 : 18:23:37 Uhr
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Zitat: Original erstellt von: pasta
Objektivitätsfalle Punkte!
Hallo Pasta!
Wie recht du hast... Ist mir an dem Abend mehrfach durch den Kopf gegangen, und nicht nur mir.
Grüße Markus |
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