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Seite: von 10

MQuentel
Advanced Member

Deutschland
218 Beiträge

Erstellt  am: 11.03.2009 :  16:47:53 Uhr  Profil anzeigen  Besuche MQuentel's Homepage  Antwort mit Zitat
Moin,

lieber Kle, auch von mir erst einmal ein herzliches Dankeschön für diesen tollen, erlebnisreichen und entspannten Abend.

Notizen in Kurzform:

1) 2007 Domaine Wachau, GV, Liter: straff, frisch, klar und sehr sauber in der Aromatik; leichtes Pfefferl - klasse Zechwein und toller Liter für sehr kleines Geld. 84 Punkte

2) 2007 Weingut Schneeweis, Neuburger Smaragd Gasselreith
In der Nase wie ein GV; Käse; gelbe Frucht; extraktreich, mit Schmelz und viel Mineralik; feine, nussige Aromen; schönes Spiel, sehr gute Länge. 92 Punkte

3) 2007 Weingut Schneeweis, Riesling Smaragd, Gasselreith
Frisch, recht druckvoll, eher schlank, kräftige Säure, sehr von den Citrusaromen geprägt, etwas rauchige Mineralik, dezente, kräutrige Salzigkeit (wie Kräutersalz), 89 Punkte

4) 2007 Weingut Schmelz, GV Loibner Gärten Federspiel
zu Beginn etwas unsaubere/verwaschene Nase, würzige Note, am Gaumen druckvoller Start, aber in der Mitte mit aromatischem Löchlein, angenehme Säure, endet eher floral, insgesamt aber recht kurz. 85 Punkte

5) 2007 Weingut Schmelz, Sauvignon Blanc Donaufeld Federspiel
Sehr hell in der Farbe, Cassis und Lakritz. Am Gaumen knackig trocken, Cassis, ein zarter Hauch von Rosen, angenehme Salzigkeit; sehr reintönig, ohne laut zu sein; schön frisch und angenehme 12,5% Alk.; glockenklar (Gebirgsbach), in der Aromatik dezenter SB, sehr stimmig und reintönig; für den akuten ;-) Genuss. 88+ Punkte

6) 2007 Weingut Crusius, Riesling Niederhäuser Felsensteyer GG, Nahe
Dezent kräutrige Nase, Noten von Apfelsaft. Erstaunlich niedrige 12,5% Alc, doch trotzdem recht dicht und druckvoll; gelbe Früchte, leichte Citrusromatik (Orangenzesten), sehr frisch, saftig und klare Mineralik. Trotz erkennbaren Restzuckers sehr animierend; aktuell nur mittlere Länge im Abgang. Ich glaube, der Wein wird sich entwickeln; 90 Punkte

7) 2007 Sighardt Donabaum, S.Dona GV Smaragd Zornberg
etwas trüb; intensive, tiefe Nase, Biskuitteig, Tabak, sehr "gelb" von der Frucht, Waldmeister. Am Gaumen sehr cremig und saftig; Kräuteraromen; intensive, gelbe Frucht; Butter, druckvoll, sehr gut integrierte Säure, doch insgesamt ein Schwergewicht. Ich mag ab und an solche Brocken, die kein Essen als Begleiter benötigen! Der Wein ist in sich sehr stimmig und wer Rubensfiguren mag, ist hier genau richtig. Locker 92 Punkte.

8) 2007 Knoll, GV Vinothekfüllung
immer noch etwas Kohlensäure, sehr hefig in der Nase; Kirschkerne, gelbe Äpfel, wirkt in der Nase recht schwer. Am Gaumen ungemein dicht, man kann sogar sagen, fett. Wieder gelber Apfel, reifer Tabak, rund und mollig, braucht sicherlich Zeit, um sich in der Aromatik zu differenzieren, sehr gute Länge. Habe ich aber in anderen Jahrgängen (ähnlich jung) schon besser erlebt. 91 Punkte.

9) 2006 Winzerhaus Graben-Gritsch, GV Federspiel - Von der Schön
Quitte; gereifte, gelbe Äpfel, etwas weißer Pfeffer. Am Gaumen geschmeidig, von mittlerer Statur,wirkt einerseits recht komplex, andererseits sind die Aromen auch ein wenig verwaschen. Es mangelt ihm etwas an Druck und Frische. Hand geht bei mit nicht zum Glas. Trotzdem noch 85 Punkte

10) 2006 Winzerhaus Graben-Gritsch, GV Smaragd - Von der Schön
Nicht nur 1% mehr Alkohol (13,5% statt 12,5%), auch insgesamt hat man hier - verglichen mit dem Federspiel aus gleicher Lage - doch deutlich den besseren Wein im Glas. Powerstoff, runder Schmelz, trotzdem hohe Frische, stoffig, viel Mineralität, gelbe Frucht, der für mich für die Rebsorte typische, leicht käsige Geschmack kommt hier recht deutlich heraus; sehr gut integrierte Säure; macht recht satt; etwas spitz wirkender Alkohol. 91 Punkte

11) 2006 F.X. Pichler, GV Smaragd Von den Terassen
(ich hoffe, ich habe keinen Fehler in meinem Notizen bezüglich der Reihenfolge) Reifer Apfel, sehr kraftvoll, sehr extraktreich, viel Schmelz, aber auch viel Alkohol. Ein fleischiger GV, dem es allerdings etwas an Struktur und Aromentiefe mangelt, für mich ein typischer 2006er, die teilweise einfach zu reif geerntet wurden. Ich möchte nicht generell über die 2006er den Stab brechen, aber es ist nicht der Jahrhundertjahrgang, zu dem ihn einige gemacht haben, sondern ein Jahr mit großen Spitzen, aber auch ziemlich viel alkoholbelasteter Muskelprotze, denen es etwas Klasse fehlt. 88 Punkte

12) 2006 F.X. Pichler, Riesling Smaragd Dürnsteiner Hollerin´
Frisch, kraftvoll, pikant. Entfaltet am Gaumen einen schönen Druck, zeigt eine schöne Säure und bietet eine kräutrige Mineralik; Citrusaromen. Ihm fehlt es etwas an "monetärem Feingefühl" - so oder ähnlich beschrieb jemand am Tisch den Umstand, dass der Wein, viel Power besitzt, aber auch ordentliches Geld kostet, es ihm letztlich aber auch etwas an Stil und Klasse fehlt, um sich ganz nach oben durchzuboxen. 90 Punkte. (Für den JG angenehme 13,5% Alk.)

13) 2006 Knoll, GV Vinothekfüllung
Aber es gibt so doch die Highlights im JG 2006. Die beiden nun folgenden Weine von Emi Knoll darf man getrost dazu zählen. Kraftvoller, stoffiger GV mit viel Saft und einer intensiven Aromatik, die mich ihn ihren Bann zieht. Schöner Schmelz, gleitet durch Zeit, Mund und (Rachen-)Raum; weißer Pfeffer, Citrusnoten, Orangenzesten, viel kräutrige und tabakige Mineralik. Hand geht bei mir voll zu Glas. Sehr gute Länge. 93 Punkte.

14) 2006 Knoll, Riesling Vinothekfüllung
Für mich nicht nur der Sieger des Abends, sondern wirklich großer Wein - ein Stoff aus dem Träume sind. Im ersten Eindruck sehr frisch, dicht und straff; ein Hauch Kleister in der Nase stört nicht, sondern passt in diesen bunten Strauß aus Aromen mit diversen Bergkräutern und gelben/exotischen Früchten. Insgesamt nicht laut oder aufdringlich, sondern eher tief und nachhaltig. Auch am Gaumen ein Bild von Wein, mit perfekt konturieter Statur; kraft- und druckvoll, gleichzeitig aber auch sehr klar, komplex und elegant. Ein Wein mit viel Struktur und Ausdruck, ein Hauch von Tannin findet man ebenfalls. Hat ein langes, schönes Leben vor sich und ich leider nur eine Flasche im Keller. 95 Punkte.

Die noch nachfolgende 2004er Knoll Loibner Riesling Auslese war leider korkig.

Ein Wort zum Schluß: Knoll hat insgesamt in 2006 eine tolle Kollektion vorgelegt, mit seiner 07er reicht er da nicht ganz heran. Ich glaube aber, dass er einer der wenigen Ausnahmen ist, die den Jahrgang 2006 so perfekt auf die Flasche bekommen haben.

Einen schönen Tag noch

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http://weinwelt.blogg.de
Michael Quentel

Bearbeitet von: MQuentel am: 11.03.2009 23:57:18 Uhr
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Schönleiten
Administrator

Österreich
3733 Beiträge

Erstellt  am: 11.03.2009 :  16:58:38 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Schönleiten's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo,

tolle Probe, ist richtig spannend zum Nachlesen.

Nur zu einem Punkt möchte ich eine etwas abweichende Meinung anmerken:

Zitat:
Ich glaube aber, dass er einer der wenigen Ausnahmen ist, die den Jahrgang 2006 so perfekt auf die Flasche bekommen haben.


Nach (soweit ich weiß nicht nur) meiner Auffassung ist in Niederösterreich 2006 das Topjahr zumindest des vergangenen Jahrzehnts, nahezu alle Wachauer Winzer haben tolle Qualitäten in die Flaschen bekommen, vor allem im Smaragdbereich (aufgrund der hohen Reife gab es viel weniger Federspiel als sonst und fast gar keine Steinfedern).

2007 ist da schon viel stärker durchwachsen, manche Winzer haben tolle (leichtere) Weine produziert, andere - auch an sich routinierte - hingegen nur eher mäßige Qualitäten.

Ich habe jedenfalls (nach ausgiebigen Verkostungen jährlich am Wachauer Weinfrühling) meinen Keller mit 2006er gefüllt, von 2007
aber nur sehr wenig gekauft ...

Es kann aber gut sein, dass viele 2006er jetzt langsam in die bei Smaragden häufigen unharmonischen Zwischenphasen eintauchen und sich erst wieder in ein paar Jahren in voller Größe präsentieren.

Grüße,
Gerald
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MQuentel
Advanced Member

Deutschland
218 Beiträge

Erstellt  am: 11.03.2009 :  18:28:38 Uhr  Profil anzeigen  Besuche MQuentel's Homepage  Antwort mit Zitat
Hall Gerald,

da bist Du mit Deiner Meinung nicht ganz allein, Falstaff und Co haben ja ähnlich berichtet. Meine pers. Erfahrungen sind etwas anders, ich halte gerade die Smaragde für kritisch, die Alkoholmassen vieler Weine werden dazu führen, dass die Weine nicht das Alterungspotential haben und mit zunehmendem Alter ein nicht zu übersehendes Ungleichgewicht im Wein fördern. Aber die Zeit wird es zeigen, vielleicht habe ich ja Unrecht. Eine Ausnahme von meinen Ausführungen ist z.B. die Riesling Vinothekfüllung von Knoll - das sit großer Stoff.

LG

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http://weinwelt.blogg.de
Michael Quentel
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Kle
Senior Member

Deutschland
1426 Beiträge

Erstellt  am: 11.03.2009 :  19:22:48 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Kle's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Gerald,

nach wie vor bin auch ich froh über jeden 2006er, den ich besitze. Noch fällt es mir aber schwer, den Jahrgang zu charakterisieren, außer, dass er für mich eine dunkle Faszination besitzt .
Der Alkohol in den Smaragden stört mich nicht. Pichler und Knoll waren für mich an dem Abend aus anderen Gründen harte Brocken und ich fühlte mich unfähig, mich richtig auf sie einzulassen.
Schade, dass ich keinen Riesling Smaragd 06 (1000-Eimer-Berg) von Donabaum mehr besaß, der streng und virtuos zugleich noch einen anderen Maßstab gesetzt hätte und für mich ein gutes Beispiel für die Faszination des Jahrgangs ist.

Gruß, Kle
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Kle
Senior Member

Deutschland
1426 Beiträge

Erstellt  am: 11.03.2009 :  19:37:18 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Kle's Homepage  Antwort mit Zitat
um Missverständnissen vorzubeugen: Mit "streng" meine ich nicht durchdringende bis penetrante Aromen, sondern die äußerst disziplinierte und entschiedene Beherrschung von Mitteln.
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drmamue
Advanced Member

Deutschland
331 Beiträge

Erstellt  am: 14.03.2009 :  14:54:20 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

im Nachgang zur Wachauprobe habe ich uns vor einigen Tagen diesen Wein aus dem Keller geholt:


(85/100)

Es war eine Supermarktabfüllung, vor knapp zwei Jahren aus dem Urlaub mitgebracht (je 3x 05 und 06), und die erste Flasche (leider schon die letzte aus 2005), die mich wirklich überzeugt hat - die Vorgänger waren vielleicht in einer Verschlussphase, jedenfalls aber ziemlich scharf und viel zu alkoholisch. In der Form von zuletzt aber waren die 8 € gut investiertes Geld.

Grüße
Markus

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djn-vienna
Senior Member

Deutschland
1297 Beiträge

Erstellt  am: 15.05.2009 :  15:58:30 Uhr  Profil anzeigen  Besuche djn-vienna's Homepage  Antwort mit Zitat

Hallo zusammen,

gestern im Glas: Högl Ried Steinertal Smaragd 1999

Ein toller, gereifter GV. Fast schon goldgelb im Glas war er in der Nase sofort als gereifter GV aus der Wachau zu erkennen. Er roch nach Marillen, ein wenig Honig/Honigmelone ohne aber Plump zu wirken oder gar eine Mineralität vermissen zu lassen. Am Gaumen ein komplexer, elganter und voller Wein. Dürfte sich noch einige Jahre auf diesem Niveau halten.

Hier bestätigte sich wieder einmal wie toll Smaragde reifen können. Und wie oft sie leider viel zu jung getrunken werden.

Viele Grüße

Daniel

-Wegen meiner Weinleidenschaft hatte ich kein Geld mehr für die Miete und musste in einen Keller ziehen- aber in was für einen Keller!!!-
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djn-vienna
Senior Member

Deutschland
1297 Beiträge

Erstellt  am: 26.07.2009 :  10:44:02 Uhr  Profil anzeigen  Besuche djn-vienna's Homepage  Antwort mit Zitat

Hallo zusammen,

gestern wieder einige tolle, gereifte wachauer Weine im Glas.

z.B: aus dem großen Jahr 1997: Rudi Pichler Achleiten Smaragd

Ein unglaublich jung wirkender Riesling, diesen ich zumindest am Gaumen locker 5 Jahre jünger gemacht habe. In der Nase zeigte er leichte, angenehme Reifetöne. Allerdings ohne die Extraktsüße die ein Hirtzberger, F.X etc. mitgebracht hätten. Am Gaumen florale Noten aber auch die bekannte wachauer Marille, etwas Birne mit einer schönen Dichte ohne aber überladen zu wirken. Alkohol 12,5%. Ein Smaragd, der noch anderst vinifiziert wurde als die heutigen. Gebe ich ihm aber trotzdem ein Trinkfenster bis 2020. 18/20

Viele Grüße

Daniel

-Wegen meiner Weinleidenschaft hatte ich kein Geld mehr für die Miete und musste in einen Keller ziehen- aber in was für einen Keller!!!-
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82er Steirer
Advanced Member

Österreich
114 Beiträge

Erstellt  am: 26.07.2009 :  14:32:35 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Servus,

Inwieweit wurde die Smaragde früher anders vinifiziert?

lg Hans Peter
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djn-vienna
Senior Member

Deutschland
1297 Beiträge

Erstellt  am: 26.07.2009 :  15:03:07 Uhr  Profil anzeigen  Besuche djn-vienna's Homepage  Antwort mit Zitat

Hallo Hans Peter,

sie waren vom Stil her etwas leichter. Meist hatten die Weine 12,5 - 13%. Heute 13,5 bis 15%. Der Hektoliter Ertrag war nicht so sehr reduziert wie heute und die Lese fand auch meist etwas früher statt. Besonders bei den kleineren Winzern die aus kostengründen im August (Sommerferien) ernten mussten, da es danach kaum noch freiwillige Helfer gab. Geerntet wurde dann natürlich auch, wenn die Trauben noch nicht ihre volle physiologische Reife erreicht hatten.
Der Ausbau unterschied sich auch etwas vom heutigen. Es wurde noch nicht so sehr in moderne Kellertechnik investiert wie das zwischenzeitlich passiert ist.
Es gibt es einige Verfechter des "neuen Stils". Diese meinen, dass diese Weine zu alkoholreich, zu konzentriert, wenig elegant sind. Meiner Meinung können sie sehr elegant sein, den Alkohol perfekt eingebunden haben und eine beeindruckende Konzentration mitbringen. Für mich gibt es keine besseren Weißweine. Nur andere.
Zum Abschluss ist noch zu sagen, dass der Übergang natürlich ein schleichender war und nichts mit 97 zu tun hat. Es war eben eine Entwicklung über Jahrzehte. Der oben beschriebene Wein erinnerte nur mehr an die früheren Smaragde als an die heutigen. Ein sehr hohes Niveau haben/hatten beide.

Viele Grüße

Daniel

-Wegen meiner Weinleidenschaft hatte ich kein Geld mehr für die Miete und musste in einen Keller ziehen- aber in was für einen Keller!!!-
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