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 Weinbau und Kellertechnik
 Flachbogen (Strecker) oder Halbbogen?
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mikrokern
Active Member


Deutschland
86 Beiträge

Erstellt am: 19.03.2007 :  08:41:41 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
In meinem Spätburgunder-Weinberg beträgt der mittlere Stockabstand ca. 1,30 m, bei einem Zeilenabstand von 1,50 m. Beim Schneiden habe ich ca. 8 - 10 Augen pro Stock (1 Bogrebe) angeschnitten. Die beiden Biegedrähte sind auf 70 bzw. 90 cm Höhe.
Stelle nun beim Gerten (binden) fest, dass ich vermutlich doch mehr Augen (ca. 12?) für einen optisch brauchbaren Halbbogen hätte anschneiden müssen, da die Bogrebe beim biegen über den oberen Biegedraht jetzt gerade mal wieder auf den unteren Biegedraht geheftet werden kann. Dadurch wird er Abstand zum nächsten Stock dann aber doch recht gross (z.T. 0,50 m), sodass ich für das spätere Laubeachstum eine ungleichmässige Verteilung fürchte...
Sollte ich lieber einen Flachbogen (Strecker) auf dem unteren Draht machen, um eine "längere" Rebe hinzubekommen? Oder spielt das keine Rolle?
Was ist überhaupt besser - Flach- oder Halbbogen? Dachte, dass beim Halbbogen die mittleren Austriebe (Bogengipfel) zu besserem Wachstum angeregt werden (statt der Bevorzugung der Spitzentriebe). Ausserdem ist alles etwas "höher", also angenehmer zu arbeiten.
Könnt ihr (Bernhard?? Bist doch immer eine gute Referenz für Fachwissen) mir da eine Empfehlung geben?

Gruss

µkern

Tannat
Advanced Member

Deutschland
948 Beiträge

Erstellt  am: 19.03.2007 :  17:15:26 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Mikrokern

ich denke der Flachbogen ist das beste die ganze Laub und Ausdünnarbeit ist so viel übersichtlicher und schematischer
geht mir zumindest so weil wenn das Laub auf einmal da ist verliert man leicht den Überblick oder dünnst du eh nicht aus ???


Grüssle Marc


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Grenzhof-Fiedler
Advanced Member

Österreich
584 Beiträge

Erstellt  am: 19.03.2007 :  23:12:02 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Grenzhof-Fiedler's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Wilfried!

Wenn ich schon so gelobt werde

Dank deiner guten Erklärung kann ich mir dein Problem recht gut vorstellen. 1,3 Meter Abstand in der Reihe ist doch ziemlich viel für einen kurzen Rebschnitt. Du hättest wohl doch nicht auf den Möchtegern-Experten hören sollen, der dir eine Schnittlänge von 10 Augen empfohlen hat, ohne nach dem Stockabstand zu fragen

Ganz so schlimm wird es aber mit den Lücken in der Laubwand nicht werden. Wenn es für den Trieb aus dem vordersten Auge des Fruchtbogens Sinn macht, wächst er schräg nach vorne und verkleinert das "Loch" im Drahtrahmen deutlich.

Wenn du den Bogen nicht als Halbbogen über den oberen Biegedraht formierst, sondern als Flachbogen nur entlang des unteren ist er natürlich ein paar Zentimeter länger. Einen Riesenunterschied macht das zwar nicht, aber auch unabhängig davon würde ich einen Flachbogen bevorzugen.

Die Sache mit der Wachstumsanregung der schwächeren mittleren Knospen beim Halbbogen mag in der Theorie zwar stimmen und auch in der Praxis eine gewisse Relevanz haben. Aber wenn man einen Rebstock auf nur 10 Augen, also relativ drastisch zurückschneidet, kommen nach meiner Erfahrung diese wenigen Augen relativ kräftig, egal wo sie stehen.

Höher (und damit angenehmer zu bearbeiten) ist beim Halbbogen nur der Mittelteil. Und das sehe ich auch als den größten Nachteil an. Beim Halbbogen kann es vorkommen, daß Triebe aus den hinteren Augen schräg entlang des Fruchtbogens wachsen und es dadurch zu einer Laubwandverdichtung im Mittelteil des Bogens kommt. Beim Flachbogen kommen sich meiner Erfahrung nach die einzelnen Triebe nicht so leicht in die Quere.

Der Flachbogen erleichtert durch die gleichmäßigere Strukturierung der Laubwand auch die Bewirtschaftung. Beim Einstricken der Triebe in den Drahtrahmen sind alle Triebe etwa gleich "weit", während beim Halbbogen entweder die vorderen und hinteren Triebe zu kurz sind, oder die mittleren (höher stehenden) zu lang. Ein Entblättern der Traubenzone ist exakter und leichter möglich, da die Trauben beim Flachbogen in einem enger einzugrenzenden Bereich hängen.

Natürlich erfordert ein Flachbogen einen erhöhten Biegeaufwand und hat ein höheres Bruchrisiko (speziell bei manchen Sorten). Wenn man den Flachbogen dann auch noch regelrecht um den Biegedraht wickelt, ist das beim Rebschnitt eine ziemliche Erschwernis (aber dafür gibt es auch bei viel Wind und schweren Trauben kaum Bruchschäden). Aber trotz all dieser Nachteile überwiegen für uns seit Jahrzehnten die Vorteile.

Grüße

Bernhard

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