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 2003er Rieslinge auf dem Prüfstand
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Peter Vondung
Active Member


Deutschland
89 Beiträge

Erstellt am: 01.06.2009 :  22:15:15 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Weinfreunde,

am Pfingstsamstag hatte ich eine Probe zusammengestellt, die u. a. folgendes Thema hatte:
"2003er Spitzenrieslinge aus Deutschland und Österreich".
Es wurden elf Weine in nachstehender Zusammenstellung blind verkostet:

a) Schloss Fürstenberg, Spätlese trocken,
13 %, Florian Weingart, Mittelrhein
b) Leinsweiler Sonnenberg, Auslese feinherb,
13,5 %, Peter Siener , Pfalz
c) Norheimer Dellchen, Spätlese trocken,
12,5 % , Hermann Dönnhoff, Nahe
d) Birkweiler Kastanienbusch, GG, Spätlese trocken,
13,5%, Wehrheim, Pfalz
e) Kallstadter Saumagen, Auslese trocken,
13 %, Koehler-Ruprecht, Pfalz
f) Senftenberger Ehrenfels Vom Urgestein, trocken,
14%, Proidl, Kremstal
g) Uhlen Laubach, halbtrocken,
12,5%, Heymann-Löwenstein, Mosel
h) G-max, GG, trocken,
13,5% , Klaus-Peter Keller, Rheinhessen
j) Forster Jesuitengarten Fass 63, halbtrocken,
13%, Bürklin-Wolf, Pfalz
k) Steiner Hund Reserve, trocken,
12,5%, Nikolaihof, Wachau

Fazit der Verkostung: Die gut gemachten Rieslinge des „Jahrhundertjahrgangs“, der dann doch keiner war, reifen sehr schön und alle Befürchtungen, dass sie früh altern würden, sind nicht berechtigt. Keiner der verkosteten Weine hatte Altersnoten (keinerlei Firne und allenfalls Anklänge von Petrol). Eher richtig dürfte sein, dass sie langsam reifen und noch lange großen Trinkspaß vermitteln können. Sehr interessant war auch, wie die einzelnen Winzer mit den jahrgangsspezifischen Problemen der hohen Oechslegrade und der geringen Säure umgegangen sind. Nur beim Norheimer Dellchen war eine zitronige Säure feststellbar. Alle anderen Weine wiesen keinerlei Spuren von Nachsäuerung auf. Um den Alkoholgehalt in Grenzen zu halten, sind einzelne Weine feinherb/halbtrocken ausgebaut, was den Eindruck barocker Fülle verstärkt hat. Andere Weine sind klassisch trocken ohne alkoholisch zu sein (Nikolaihof, Wehrheim und Koehler-Ruprecht). Die mineralischen Noten sind bei Weingart, Dönnhoff und Rudi Pichler gut herausgearbeitet, während sie beim Uhlen und beim Steiner Hund undefiniert und eher plump geblieben sind.

Hier meine Verkostungsnotizen zu den drei besten Weinen:

2003er G-max, GG, trocken, 13,5% , Klaus-Peter Keller, Rheinhessen

Ein genialer Wein, kraftvoll und doch ungemein elegant, opulent ohne fett zu sein. Ein breites Aromenspektrum, das sich dem Genießer Schlückchen für Schlückchen erschließt, eingebettet in eine vielschichtige Struktur. Ein Kraftpaket, das Frucht und Mineralität paart und zu vollendeter Harmonie vereint. Trinkspaß auf allerhöchstem Niveau 96 Punkte

2003er Forster Jesuitengarten Fass 63, halbtrocken,
13%, Dr. Bürklin-Wolf, Pfalz

Schon im Glas entwickeln sich expressive Noten von vornehmlich gelben Früchten (Quitte, Mirabelle sowie Pfirsich) aber auch von exotischen Früchten, gepaart mit floralen und kräutrigen Aromen. Im Mund präsentiert sich der Wein ungemein mächtig, mit viel Schmelz, feiner Exotik und weicher Säure. Ein burgundisch anmutendes vielschichtiges Fruchtmonster, üppig und verschwenderisch mit langem Nachhall. Die 13 % vol. sind harmonisch integriert. Trotzdem: Kein Spaßwein, eher anstrengend zu trinken - aber ein untypischer ganz großer Riesling (Langgärer), wie er weltweit kaum ein zweites Mal zu finden sein dürfte. 95 Punkte

2003er Senftenberger Ehrenfels Vom Urgestein, 14 %, Proidl, Kremstal

Eine Fülle von Fruchtnoten in der Nase Im Mund süße, gelbe Fruchtaromen (Aprikose) gepaart mit dezenter Mineralität, schmelzig mit Tiefe und schönem Nachhall. Die 14 % sind hervorragend integriert. Ein Wein, der großen Trinkspaß bereitet und der bei unserem Verkostungsevent der Preis/Genuss-Sieger war. 93 Punkte

Hier noch meine Bewertung der anderen verkosteten Weine:

Schloss Fürstenberg, Spätlese trocken,
13 %, Florian Weingart, Mittelrhein - 87 Punkte
Leinsweiler Sonnenberg, Auslese feinherb,
13,5 %, Peter Siener , Pfalz - 88 Punkte
Norheimer Dellchen, Spätlese trocken,
12,5 % , Hermann Dönnhoff, Nahe - 86 Punkte
Birkweiler Kastanienbusch, GG, Spätlese trocken,
13,5%, Wehrheim, Pfalz - 89 Punkte
Kallstadter Saumagen, Auslese trocken,
13 %, Koehler-Ruprecht, Pfalz - 89 Punkte
Uhlen Laubach, halbtrocken,
12,5%, Heymann-Löwenstein, Mosel - 88 Punkte
Weissenkirchner Achleiten Smaragd,
13%, Rudi Pichler, Wachau - 89 Punkte
Steiner Hund Reserve, trocken,
12,5%, Nikolaihof, Wachau - 90 Punkte

Mit weinfreundlichen Grüßen

Peter Vondung


"Ich habe gerochen alle Gerüche in dieser holden Erdenküche ..." (Heinrich Heine)

jkl
Senior Member

Deutschland
3516 Beiträge

Erstellt  am: 02.06.2009 :  22:57:16 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Da auch bei der Probe zugegen, kann ich den Artikel von Peter in den wesentlichen Punkten unterschreiben. Die beiden Gewinner des Abends waren einfach himmlisch.

Jürgen

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pivu
Senior Member

Österreich
3350 Beiträge

Erstellt  am: 27.06.2009 :  16:52:24 Uhr  Profil anzeigen  Besuche pivu's Homepage  Antwort mit Zitat
Hi there,

etwas spät hier mein Fazit unserer Verkostung: "Zeitlose Wollust".

Mein Sieger war der 'Jesuitengarten', der zweifellos große G-Max schien mir (wie eigentlich jedes Jahr) zu perfekt, de gustibus ... Weniger anfangen konnte ich mit den "trockenen" Deutschen, die durchwegs alkoholischer wirkten als ihre österreichischen Counterparts. Dass die besten Weine aus 2003 nahezu endloses Potenzial besitzen, kann ich unterstreichen.

Ciao
Peter
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Peter Vondung
Active Member

Deutschland
89 Beiträge

Erstellt  am: 27.06.2009 :  17:19:11 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Peter,

kann ein Wein denn zu perfekt sein? Du meinst wohl, dass makellose Schönheit auf Dauer langweilig sein kann. Nun, da kann ich Dir nur zustimmen. Mein Lieblingswein für jeden Tag wäre der G-max auch nicht (aber auch nicht der Jesuitengarten). Gleichwohl waren diese beiden Weine grandiose sensorische Erlebnisse.

Gruß

Peter

"Ich habe gerochen alle Gerüche in dieser holden Erdenküche ..." (Heinrich Heine)
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